REACH Drucken E-Mail

Die EU-Chemikalienverordnung

Im Juni 2007 trat die neue EU-Chemikalienverordnung REACH in Kraft. Damit müssen u.a. alle Alt-Chemikalien, die ab einer bestimmten Menge produziert werden und die vor 1981 auf den Markt gelangten, noch genauer auf ihre Sicherheit getestet werden. Dies betrifft auch Rohstoffe, die für die Produktion vieler «tierversuchsfreier» Produkte verwendet werden, und kann somit für viele «ethisch korrekte» Firmen zum Problem werden. Experten rechnen mit weit über 30 000 zu testenden Substanzen.

Chemikalien können sehr gefährlich sein. Deshalb ist es absolut wichtig und richtig, dass man sie zum Schutz von Mensch, Tier und Umwelt auf ihre Gefährlichkeit testet. Nun aber sind, wie in der Vergangenheit oft bewiesen, Tierversuche eine sehr unzuverlässige Methode, um die Risiken abschätzen zu können. Für dieses Projekt könnte auf Tierversuche verzichtet werden, denn es gibt bereits einige bessere und tierfreie Testmethoden, um die Sicherheit zu gewährleisten. Und wenn man in den nächsten Jahren nur einen Bruchteil der Tierversuchskosten in die Entwicklung von tierfreien, sichereren Testmethoden investieren würde, dann hätten wir bald für alle Tiertests eine günstigere, schnellere und zuverlässigere tierfreie Testmethode. Zudem könnten die Behörden auf bereits vorhandene Konsumentendaten zurückgreifen und diese auswerten. Zu Produkten, die bereits seit über 30 Jahren auf dem Markt sind, gibt es viele Erfahrungsdaten über Nebenwirkungen und Schädigungen. Trotzdem setzt die EU grösstenteils auf Tierversuche.
Seriöse Wissenschaftler schätzen, dass für REACH bis zu 54 Millionen (!) Tierversuche durchgeführt werden müssen.

EU-Chemikalienverordnung REACH

Der weltweite Druck auf die Gesetzgeber, sobald wie möglich die seit über 30 Jahren auf dem Markt etablierten chemischen Rohstoffe jetzt allesamt noch massiv in vielen Tierversuchen zu testen, kam nicht zuletzt auch durch das leider recht erfolgreiche Lobbying grosser und bestens bekannter Umweltschutz- und Artenschutzorganisationen zustande.
Diese Organisationen hätten, um Druck auszuüben, viel besser mitgeholfen, dass erstens tierversuchsfreie Testverfahren schneller entwickelt, anerkannt und eingesetzt werden und zweitens, dass man auf Erfahrungsdaten aus dem Konsumbereich zurückgreift, anstatt unzuverlässige Tierversuche durchzuführen.

Zur Chemikalientestung gibt es auch Erfreuliches zu berichten, auch wenn bis zu dessen Umsetzung noch viele Jahre vergehen werden. Das amerikanische Nationalinstitut für Gesundheit (NIH) und die amerikanische Umweltschutzbehörde (EPA) kündigten 2008 an, dass sie darauf hinarbeiten, in Zukunft Chemikalien ganz ohne Tierversuche zu testen. Um dies zu erreichen, arbeiten sie an der Entwicklung verschiedener automatisierter Testsysteme auf Zellbasis und werden vermehrt die bereits vorhandenen Daten analysieren und auswerten. Die beiden Behörden sind davon überzeugt, dass in Zukunft Giftigkeitsprüfungen nur ohne Tierversuche zu bewältigen sein werden.


REACH
VERORDNUNG (EG) Nr. 1907/2006 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
vom 18. Dezember 2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH):
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2006:396:0001:0851:DE:PDF