«Was uns an der sichtbaren Schönheit entzückt, ist ewig nur die unsichtbare.»


Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916), österr. Schriftstellerin

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Die Kosmetikrichtlinie der EU

Warum die Kosmetikrichtlinie der EU? Diese Richtlinie gilt natürlich nur für die EU. Die Schweiz selbst weigert sich konsequent, ein Verbot von Tierversuchen für Kosmetika, Reinigungs- und Haushaltsmittel zu beschliessen. Jedoch ist klar, dass sich Handelspartner wie die Schweizer Kosmetikhersteller fügen müssen, da sie auf eine Vermarktung ihrer Produkte im EU-Raum angewiesen sind. Deshalb darf als grosser Erfolg dieser Richtlinie das Verkaufsverbot für im Tierversuch getestete Kosmetikprodukte und -rohstoffe gelten, egal in welchem Land diese produziert bzw. getestet wurden.

Nach jahrzehntelangem Einsatz von Tierversuchsgegnern trat am 11. März 2003 die 7. Änderung der Kosmetikrichtlinie (2003/15/EC) in Kraft. Diese ersetzt die 6. Kosmetikrichtlinie von 1993, die Tierversuche für Kosmetika ab dem 1.1.1998 verbieten wollte, jedoch nie umgesetzt werden konnte.

Zusammengefasst die wichtigsten Kernpunkte der Kosmetikrichtlinie:

    • Ab 11.9.2004 Verbot von Tierversuchen für kosmetische Fertigprodukte.
    • Ab 11.9.2004 Verkaufsverbot von an Tieren getesteten Kosmetikprodukten und -rohstoffen, wenn dafür von der EU validierte (anerkannte) tierversuchsfreie Testmethoden vorhanden sind.
    • Ab 11.3.2009 Verbot der meisten Tierversuche für Kosmetikrohstoffe.
    • Ab 11.3.2009 Verkaufsverbot für an Tieren getestete Kosmetikprodukte und -rohstoffe für die meisten der routinemässig eingesetzten Tiertests, unabhängig davon, ob für diese bereits tierversuchsfreie Testverfahren vorhanden sind oder nicht.
    • Ab 11.3.2013 Verkaufsverbot für an Tieren getestete Kosmetikprodukte und -rohstoffe für die verbliebenen drei Tiertests.

      Die Kosmetikrichtlinie der EU


      Können wir somit bald jede Kosmetika mit «gutem Gewissen» kaufen?

      Diese Reformen sind ein Meilenstein im Kampf gegen Tierversuche und ein sehr wichtiges Zeichen für die Zukunft.
      Leider jedoch kann damit das Thema «Kosmetik und Tierversuche» noch nicht ad acta gelegt werden. Wir werden auch weiterhin noch darauf achten müssen, welche Produkte wir einkaufen.

      • Diese Richtlinie gilt nur für Rohstoffe, die ausschliesslich für Kosmetika verwendet werden. Dabei handelt es sich nur um etwa 10% der Rohstoffe.
      • 90% aller chemischen Rohstoffe, die in Kosmetika verwendet werden, finden auch noch in anderen Bereichen Anwendung. Sei dies z.B. in der Industrie als Bestandteil eines Farbsprays oder als Feuchthaltemittel irgendeines Produktes aus dem Supermarkt. All diese Stoffe müssen weiterhin nach dem EU-Chemikalienrecht (REACH) in Tierversuchen getestet werden. Diese Stoffe dürfen jedoch weiterhin für Kosmetika verwendet werden.
      • Ebenfalls fallen Wirkstoffe nicht unter diese Richtlinie, wenn sie auch in irgendeiner Form in der Medizin Verwendung finden.
      • Diese Richtlinie enthält die Möglichkeit für Ausnahmen, wenn z.B. für die Sicherheit eines Kosmetikrohstoffs ernsthafte Bedenken bestehen und diese scheinbar nicht mit einer tierversuchsfreien Testmethode ausgeräumt werden können. Die Hürde, um von dieser Ausnahme Gebrauch zu machen, liegt aber recht hoch.
      • Nebenbei: Es geht nicht nur um Kosmetika, sondern auch um Reinigungs- und Haushaltsmittel wie auch um viele weitere Alltagsprodukte. Diese sind leider von dieser Richtlinie ausgenommen und werden voraussichtlich weiterhin nach dem EU-Chemikalienrecht (REACH) beurteilt und getestet.
      Der Traum von generell «tierversuchsfreier» Kosmetika ist somit leider noch weit weg, auch wenn wir mit der EU-Kosmetikrichtlinie ihm einen grossen Schritt näher gekommen sind. Tierversuchsfreie Kosmetika wird es aber erst dann in jedem Supermarkt geben, wenn generell alle Chemikalien nicht mehr in Tierversuchen getestet werden.

      Links zu den Gesetzen und Richtlinien:

      Kosmetikrichtlinie
      RICHTLINIE 2003/15/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
      vom 27. Februar 2003 zur Änderung der Richtlinie 76/768/EWG des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über kosmetische Mittel:
      http://ec.europa.eu/enterprise/sectors/cosmetics/files/doc/200315/200315_de.pdf


      «Alternativmethoden»-Forschung und -Anerkennung
      BERICHT DER KOMMISSION AN DEN RAT UND DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT
      Bericht über die Entwicklung, Validierung und rechtliche Anerkennung von Alternativmethoden für Tierversuche im Bereich kosmetischer Mittel (2007):
      http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2008:0416:FIN:DE:PDF


      REACH
      VERORDNUNG (EG) Nr. 1907/2006 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
      vom 18. Dezember 2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH):
      http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2006:396:0001:0851:DE:PDF