Wie sich Kosmetikfirmen vor klaren Antworten drücken
Viele Leser haben die Möglichkeit genutzt und ihre «Lieblingsfirma» angeschrieben. Einige Leser waren jedoch nach der Firmenantwort etwas irritiert und fragten uns an, ob denn diese Produkte nun empfehlenswert seien. Deshalb stellen wir ihnen hiermit einige Beispiele aus Firmenantworten vor und erklären kurz, was von diesen Aussagen zu halten ist.
Viele Firmen antworten, dass sie aus «... ökologischen, biologischen, philosophischen, anthroposophischen, ayurvedischen, ... oder anderen Gründen gegen Tierversuche seien». Nichts gegen Philosophien und Ideologien, aber nur zu sagen, dass man gegen Tierversuche sei, reicht natürlich nicht und sagt nichts über die effektive Firmenpolitik aus. Im Gegenteil: Von diesen Firmen könnte man umso mehr erwarten, dass sie Abklärungen über die von ihnen eingesetzten Rohstoffe machen würden (was die meisten nicht tun).
Auch oft kommt in den Antworten eine Aussage vor wie «... seit x Jahren/seit der Firmengründung noch nie Tierversuche für Kosmetika oder Rohstoffe gemacht oder in Auftrag gegeben». Dies stimmt meistens. Aber: Die allerwenigsten Kosmetikfirmen machen selbst Tierversuche oder geben solche in Auftrag. Tierversuche werden von den Rohstoffherstellern durchgeführt oder in Auftrag gegeben. Darauf müssen «tierversuchsfreie» Kosmetikfirmen achten. Betreffend Testung von End- bzw. Fertigprodukten: Dies ist in den meisten Ländern sowieso verboten (in der EU ist auch der Verkauf von im Tierversuch getesteten Endprodukten verboten).
Wieder andere Firmen schreiben: «... wir setzen keine Rohstoffe ein, die eigens zu diesem Zweck (Kosmetika) im Tierversuch getestet wurden.» Auch dies mag stimmen. Ab dem 11. März 2013 sind Tierversuche für Rohstoffe für Kosmetika weitgehend verboten. Das Problem dabei ist aber, dass die meisten Rohstoffe nicht nur eigens in Kosmetika Verwendung finden, sondern zusätzlich noch z.B. als Bindemittel in einem Fertig-Nahrungsmittel, als Zusatzstoff in einem Farbspray oder anderem. Sicher 90% aller Rohstoffe, mit denen Kosmetika produziert werden, werden auch in anderen Produkten eingesetzt – all diese Rohstoffe werden weiterhin (von den Rohstoffherstellern) in Tierversuchen getestet.
Manche Firmen schreiben auch etwas wie: «Zu viele Labels ...» oder «Jedes Land hat andere Organisationen ...» oder «Zu viele Listen, deshalb unübersichtlich ...» Da können wir wie folgt kontern. Wir haben kein eigenes Label und keine neuen Richtlinien kreiert. Wir fassen die wichtigsten europäischen Labels zusammen. Somit ermöglichen wir einen Gesamtüberblick über die wichtigsten Labels und Richtlinien in Europa – für ganz Europa «verbindlich». Somit zieht auch dieses Argument der Firmen nicht.
Dies ist nur eine kleine Auswahl von Antworten, die alle Beschönigung zum Ziel haben, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. Lassen Sie sich von solchen Antworten nicht irritieren.
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